Tokio Hotel
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Kapitel 1

 

Fassungslos schaute ich Mama an, ich hatte mein Mund ganz weit auf.

„Sag, dass es nur ein joke war, Mama“, sagte ich.

„Nein, das ist kein Scherz, wir werden nach Bargteheide ziehen.“

„Und wo um Gottes Willen ist das?“

„In Schleswig-Holstein, ganz im Süden.“

Ich rannte ins Zimmer, knallte die Tür und spielte Gitarre. Warum? Warum ist alles so scheiße geworden? Seit Bill tot war, war alles anders geworden, ich war nicht mehr ich. Ich war ein ganz anderer Mensch. Ich spielte ganz laut ‚Ich bin nicht ich’. Dann hörte ich Klopfen an der Tür und sah auf dem Boden irgendwas, was weißes. Ich stand auf und hob ihn auf, einen Brief:

 

Lieber Tom, mein großer Sohn!

Ich kann dich voll verstehen, dass du sauer bist. Gordon und ich können hier nicht mehr leben, denn sonst müssen wir viel an Bill denken. Außerdem hat Gordon in Bargteheide eine neue Arbeit gefunden. Wir haben uns schon ein paar Häuser angeschaut, als du im Krankenhaus warst. Und wir haben uns für ein großes Haus entschieden mit einen großem Garten und du darfst dir dein eigenes Zimmer aussuchen. Wir alle wollen ein neues Leben anfangen, klar wir werden Bill nie vergessen, aber das Leben geht nun mal weiter, ob so oder so ist.

Deine Mutter, Simone

 

Paar Wochen waren schon vergangen und wir lebten in Bargteheide, wie ne tote Hose war hier. Morgen war mein erster Schultag. Oh man, wie sehr ich Bill vermisste. In meinem neuen Zimmer hingen bestimmt dutzendweise Bilder von mir und Bill. Warum musste er sterben? Wir waren gerade noch sehr glücklich, wir waren sehr berühmt, wir hatten eine Band namens Tokio Hotel. Jetzt gab es kein Tokio Hotel mehr, weg. Warum hatte Bill ausgerechnet einen bösartigen Tumor gehabt. Warum? Auf diese Fragen wird es niemals Antworten geben. Wann hatte ich zum letzten Mal gelacht? Ja genau, als Bill uns einen Witz erzählte vor dem Konzert, wir mussten uns weg lachen, doch dann brach Bill zusammen. Wir waren grad in Hamburg gewesen, Bill’s Lieblingskonzertort, da ging es immer voll ab. Warum ausgerechnet an seinem Lieblingsort? Warum? Er wurde dann ins Krankenhaus geliefert und lag im Koma. Mittendrin im Koma wurde es herausgefunden, dass er einen Tumor hatte. Ich war jeden Tag bei ihm gewesen, es hatte 3 Monate, 2 Wochen und 6 Tage gedauert, dann starb er. Ich konnte nicht mehr, ich hatte viel zu viele Tränen verloren. Meine wichtigste Person in meinem Leben war tot. TOT, er wird nie wieder aufwachen. Nie wieder! Ich konnte mir nie ein Leben ohne ihn vorstellen. Ich war beinahe dabei einen Selbstmord zu machen, aber leider, leider hatte meine Mutter mich gerettet. Jetzt durfte ich nicht mehr alleine rausgehen, sonst dachten sie, ich würde es wieder machen, was ich aber eigentlich auch vorhatte. Ich konnte wirklich nicht mehr. Ich sah das Leben als sinnlos. Man lernte wie ne dumme Gans für die Schule, dann hatte man den Abschluss, zuletzt fand man eine Arbeit, dann starb man. Ob man früher oder später starb, war eh egal. Ich wollte nur eins: Sterben. Dann konnte ich endlich zu Bill, er war bestimmt oben auf dem Himmel und beobachtete mich, wie sehr ich darunter leidete.

„Tom, willst du nicht ins Bett? Es ist schon spät und morgen ist dein erster Schultag“, sagte meine Mutter und sah mich vorsichtig an, sie hatte Angst von mir, was das nicht sein durfte. Seit Bill’s Tod redete ich kein Wort mehr mit ihr und wenn, fluchtete ich nur.

Ich nickte und sah noch mal das Foto an von Bill und mir, wo wir 4 Jahren alt waren, auf das Foto waren wir sehr glücklich. Wir grinsten und hatten die gleichen Klamotten an, es war nicht zu unterscheiden, wir sahen sehr ähnlich aus. Ich knipste das Licht aus und schlief ein.

ein.